Beitrag zum Weltfrauentag 2026
Weltfrauentag: Gabriele Koch – „Frau kann viel mehr, als sie sich zunächst selbst zutraut“
Weltfrauentag: Gabriele Koch – „Frau kann viel mehr, als sie sich zunächst selbst zutraut“
Frauen im Kanusport: Frauen gestalten den Kanusport in Deutschland auf vielfältige Weise, als Athletinnen, Trainerinnen, Organisatorinnen und ehrenamtliche Verantwortungsträgerinnen. Zum Weltfrauentag sprechen wir mit engagierten Frauen aus unserem Verband über ihren Weg in den Sport, ihre Motivation und ihre Perspektiven.
Frauen übernehmen im Kanusport Verantwortung, im Verein, auf Landesebene und im Bundesverband. Eine von ihnen ist Gabriele Koch, Vizepräsidentin Freizeitsport im Deutschen Kanu-Verband.
Gabriele Koch ist seit Jahrzenten ehrenamtlich im Kanusport aktiv. Seit 2004 ist sie im Verein, seit 2013 engagiert sie sich im DKV in unterschiedlichen Funktionen im Ehrenamt. Das Amt der Vizepräsidentin Freizeitsport hat sie seit 2023 inne.
Zum Kanusport kam sie ursprünglich eher widerwillig. „Nur meinem Mann zuliebe habe ich mich ins Kajak gesetzt“, erzählt sie. Eigentlich wollte sie im Verein schwimmen. Doch nach ihrer ersten Kanutour 1996 auf der Sieg, bei Schneetreiben, war klar: Dieser Sport hat sie gepackt. Der Perspektivwechsel auf die Umgebung vom Wasser aus, das Gemeinschaftserlebnis und nicht zuletzt die Erfahrung, dass das eigene Körpergewicht hier keine Rolle spielt, überzeugten sie schnell davon, beim Kanusport zu bleiben.
Seit 2023 ist Gabi Vizepräsidentin Freizeitsport. Ein breit gefächertes Aufgabenfeld, das sie aktiv mitgestalten kann, prägt ihr Ehrenamt. „Zum einen kann ich aktiv Ideen und Entwicklungen fördern und umsetzen, wie zum Beispiel jüngst die Umfrage zum Ehrenamt im Verein. Zum anderen arbeite ich mit vielen Kanuten zusammen, die alle das gleiche Ziel haben, unseren Kanusport in die Zukunft zu tragen,“ erläutert sie ihre Aufgabe.
Gabi ist für alle Fragen rund um freizeitsportliche Aktivitäten im Kanusport deutschlandweit zuständig. Langweilig wird es ihr dabei nicht: „Die Arbeitsaufgaben sind sehr breit gestreut, von Befahrungsbeschränkungen auf Binnengewässern und im Küstenbereich über Fahrtenangebote und Ausbildungsfragen zur Sicherheit bis hin zu unserem eigentlichen Sportplatz, den Gewässern. Ich möchte die Sensibilität für Klimaänderungen weiter fördern und Anpassungen erarbeiten, etwa durch die Mitarbeit im Ständigen Ausschuss KanuMorgen. Auch der Bereich Digitalisierung im Freizeitsport treibt mich um.“
Alleine muss sie sich den Aufgaben nicht stellen: Sie arbeitet mit zweieinhalb hauptamtlichen Mitarbeitenden in der Geschäftsstelle in Duisburg, fünf Ressortleitenden sowie über 40 Referentinnen, Referenten und Beauftragten zusammen, die einzelne Aufgabenbereiche betreuen. Gemeinsam gestaltet das Team die Belange des Freizeitsports.
Als Vizepräsidentin vertritt Gabi den Freizeitsport im Präsidium des DKV. Besonders wichtig ist ihr dabei, die Anliegen der Basis sichtbar zu machen und die Ehrenamtlichen im Freizeitsport zu unterstützen. „Ich suche stets den Kontakt zu den Vereinen und ihren ehrenamtlich Mitarbeitenden, also zur Basis unseres Sports. Auch die Zusammenarbeit mit den Freizeitsport-Vertretungen der Landesverbände ist essenziell“, erklärt sie.
Auf die Frage nach ihrem schönsten Erlebnis im Kanusport muss sie nicht lange überlegen, und kann sich doch nicht festlegen. Ob auf dem Atlantik vor Irland, im finnischen Archipel, bei einer Paddeltour durch Danzig oder bei einer winterlichen Elbefahrt durch die Sächsische Schweiz nach Dresden, jedes Erlebnis sei auf seine Weise besonders gewesen. „Vielleicht wird es ja die nächste Paddeltour auf dem Douro in Portugal“, sagt sie.
Neben vielen schönen Momenten war es für Gabi nicht immer einfach, sich als Frau im Kanusport zu behaupten. Insbesondere in leitenden Funktionen habe sie Herausforderungen erlebt. „Es gibt immer wieder Männer, die ein Problem damit haben, mit einer selbstbewussten Frau zusammenzuarbeiten“, berichtet sie offen.
Besonders deutlich sei ihr das geworden, als sie Funktionen übernahm, die zuvor niemand übernehmen wollte, etwa als Abteilungsleiterin im Verein oder als Bezirksvorsitzende. Um ihre fachliche Kompetenz zusätzlich zu untermauern, erwarb sie die DOSB-Trainer-B-Lizenz. Einen formalen Titel hielt sie zunächst nicht für entscheidend, stellte jedoch fest, dass sich dadurch die Wahrnehmung ihrer Kompetenz in bestimmten Kontexten veränderte. Auch das erste ICF-Frauensymposium 2023 in Dublin habe ihr noch einmal vor Augen geführt, dass Frauen im Kanusport, insbesondere im internationalen Leistungssport, teilweise noch einen weiten Weg vor sich haben.
Für die Zukunft wünscht sie sich vor allem Mut. Den Mut, Aufgaben zu übernehmen. „Frau kann viel mehr, als sie sich zunächst selbst zutraut“, ist sie überzeugt. Dabei geht es nicht darum, die Aufgaben so anzugehen wie Männer; es tut allen gut, wenn Frau auf Dinge anders schaut und ihre Perspektive in die Bewältigung der Probleme einbringt! Ganz im Sinne von Immanuel Kant: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Der Weltfrauentag bedeutet für Gabi vor allem eins: wachsam zu sein. Frauenrechte sind historisch hart erkämpft worden, vom Frauenwahlrecht 1918, die ersten Teilnahmen von Frauen an internationalen Kanu-Wettbewerben in den 30er Jahren, über die ersten olympischen Kanu-Wettbewerbe für Frauen 1948 bis hin zu späteren gesetzlichen Gleichstellungsregelungen. Es war ein langer Weg und es ist wichtig, dass die Freiheiten der Frauen bestehen bleiben. „Dieser Tag soll uns aufrufen, wachsam zu sein“, betont sie.
Ihr Rat an Frauen und Mädchen: „Wartet nicht darauf, dass man euch bittet, Verantwortung zu übernehmen! Schaut euch um und übernehmt aktiv Verantwortung, für euer Leben, eure Interessen, eure Mitmenschen! Wenn ihr glaubt, dass es euch Spaß macht, nehmt die Aufgaben an. Traut Euch! Arbeitet so, wie IHR es für richtig erachtet, gestaltet unsere Gesellschaft, unseren Kanusport aktiv mit. Wir Frauen sind nicht besser oder schlechter als Männer, unsere Gesellschaft braucht beides, oder besser: all unsere individuellen Fähigkeiten, ohne auf das Merkmal Geschlecht zu schauen. Und seid euch gewiss, ihr werdet mit jeder Aufgabe wachsen!“
Mit ihrem langjährigen Engagement steht Gabriele Koch exemplarisch für viele Frauen, die den Kanusport mitgestalten und Verantwortung übernehmen, mit Erfahrung, Haltung und Leidenschaft.
Beitrag des Deutschen Kanu-Verband e.V. zum internationalen Weltfrauentag 2026
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